Ich hatte ja bereits im letzten Teil des Blogs angesprochen, dass die meisten am ehesten Angst vor dem Verlust Ihrer Selbstständigkeit haben.
Wenn plötzlich die Augen nicht mehr mitmachen oder auch die Reaktionsfähigkeit nachlässt, kommt schnell die Thematik auf, ob das Autofahren für einen selbst oder auch das Umfeld zu gefährlich ist. Ein Blechschaden kann jedem passieren, aber wenn Personen betroffen sind, ist das oft nicht mehr revidierbar.
Häufig kommen nahe Angehörige auf die Person zu und äußern Bedenken, ob das Autofahren noch sicher sei. Dies ist auch gut so. Oft fällt es einem selbst sehr viel später als anderen auf, dass man nicht mehr so sicher fährt und andere gefährdet. Man denkt vielleicht,“ naja, die kurze Strecke, die schaffe ich, die bin ich doch tausendmal gefahren.“
Es ist schwierig einzugestehen, dass man Dinge, die einem bisher leicht gefallen sind, plötzlich nicht mehr schafft. Hinzu kommt beim Autofahren noch, dass man natürlich ein großes Stück Selbstständigkeit aufgibt, wenn man es nicht mehr tut.
Aber es gibt Möglichkeiten! Viele Verwandte oder Freunde helfen gerne und fahren die Person zu einem Termin. Betrachten Sie es als positiven Vorteil, dass man mit der Familie zusätzlich auch den Kontakt hält. Ferner sind mittlerweile auch Taxiunternehmen auf die Fahrtenorganisation dieser Personengruppe spezialisiert. Für Arztbesuche werden von den Arztpraxen häufig auch Taxischeine ausgestellt, so dass man die Kosten nicht selbst tragen muss.
Ein weiteres Thema ist die Nutzung eines Rollators. Wie sieht das denn aus, wenn ich mit dem Rollator gehe? Das bekommt man meist als erste Antwort. In meinem beruflichen Umfeld sehe ich häufig zunächst eine Gegenwehr gegen dieses Hilfsmittel. Wobei es wirklich sehr nützlich ist, zumal man sich beim Spazierengehen, wenn man mal keine Puste mehr hat, setzen kann und auf keine Bank angewiesen ist. Es gibt auch wirklich Modelle, die auch optisch eher akzeptiert werden. Die Unterstützung durch die Familie, ein geeignetes Model auszusuchen, kann sehr hilfreich sein.
Überhaupt beschäftigen sich die älterwerdenden Menschen in unserer Gesellschaft mit den Äußerlichkeiten, die eine vermeintliche Schwäche ihrerseits zeigen. Ist Scham angebracht, wenn ich mit dem Rollator gehe, oder wenn mir vielleicht etwas Speichel aus dem Mund fliesst?
Nein! Sie zeigen Stärke, wenn Sie sich nicht aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Stärke und Mut. Und als Angehörige sollten wir diesen Mut unterstützen. Die Teilhabe an dem sozialen Leben fördern. Es ist viel einfacher, den Hindernissen aus dem Weg zu gehen und allein zu Hause zu bleiben. Aber: der soziale Rückzug lässt den betroffenen Menschen noch viel schneller altern.
Wir alle schauen oft zu sehr nach dem Aussen. Nach dem, was uns in Facebook und Instagramm-Profilen dargestellt wird. Viel wichtiger ist doch, ein Leben in einer liebevollen und fürsorglichen Umgebung zu führen und nicht irgendwelchen unwirklichen Realen zu entsprechen.
Die Akzeptanz der voranschreitenden Veränderung ist der Schlüssel zu Zufriedenheit. Mit einem Spritzer Humor und einem gesunden Optimismus lässt sich der Zukunft besser entgegenblicken. Helfen Sie sich und Ihren Angehörigen dabei!
Herzlichst
Renate Münz